Burnout, Stress und depressive Verstimmungen

Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah
zu dem Wohle der Gemeinde,
er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
ohne ihn, da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
keine Stunde hatt’ er frei
Gestern, als sie ihn begruben,
war er richtig auch dabei.
(Wilhelm Busch)

Laut ICD 11 (Internationale Klassifikation der Erkrankungen) ist „Burnout ein Syndrom, das durch chronischen Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet:

  • Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung;
  • zunehmende mentale Distanz zur Arbeit oder Gefühle von Negativismus oder Zynismus in Bezug auf die eigene Arbeit; und
  • verminderte berufliche Effizienz.
Burnout bezieht sich speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden.“

Burnout ist keine akute Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Burnout ist ein Prozess. Es entwickelt sich schleichend, Schritt für Schritt bis zu dem Punkt, wo gar nichts mehr geht. Darin liegt die große Gefahr, denn: „Langsame Veränderung nehmen wir nicht wahr. Wir gewöhnen uns daran. Eine chronische Verspannung ist für uns schlecht wahrnehmbar, an andauernden Stress gewöhnen wir uns. Trotzdem spüren wir irgendwann die Auswirkungen.“, sagt Ortwin Meiss in seinem Buch „Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burn Out“.

In seinem Artikel „Die Müdigkeit von Rastlosen“ (Süddeutsche Zeitung vom 14./15.03.2009), beschreibt Sebastian Beck Burnout als „gesellschaftliche anerkannte Edel-Variante der Depression und Verzweiflung, die auch im Moment des Scheiterns das Selbstbild unangetastet lässt“ und stellt fest, dass „Nur Verlierer depressiv werden, Burnout ist dagegen ist eine Diagnose für Gewinner, genauer: für ehemalige Gewinner.“

Der Unterschied zwischen Depression und Burnout liegt im Weg zur Erschöpfung. Kindheitserfahrungen und eventuelle traumatische Erlebnisse werden auf unterschiedliche Art und Weise erlebt und verarbeitet, und jeder findet seine eigenen „Strategien“ und Handlungskonzepte für den Alltag.

Wie der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg sagte: „Depression ist die Belohnung fürs Bravsein.“

In meiner Arbeit mit Betroffenen (Burnout, Überforderung, depressive Verstimmung), kombiniere ich mehrere Therapie-Methoden. Ich gehe dabei stets auf die individuelle Situation und die Bedürfnisse der Betroffenen ein. Am häufigsten arbeite ich mit Traumatherapie, Hypnose, Gesprächstherapie, Entspannungstraining sowie einigen Elementen aus der systemischen Therapie.

Empfehlungen

  • Dr. Manfred Netling, „Burn-out – wenn die Maske zerbricht. Wie man Überlastung erkennt und neue Wege geht“
  • David Graeber, „Bullshit Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit“
  • Gabor Maté, „Wenn der Körper nein sagt: Wie chronischer Stress krank macht - und was Sie dagegen tun können“
  • Miriam Meckel, „Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout“
  • Dale Carnegie, „Sorge dich nicht – lebe! Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden“
  • Prem Rava, „Hear yourself. Inneren Frieden finden in einer lauten Welt“
  • Jon Kabat-Zinn, „Gesund durch Meditation“
  • Arte Dokumentation, Arbeit ohne Sinn