17. Februar 2026
Warum Männer nicht tun, worum ihre Frauen sie bitten
Ein Interview
Regelmäßig höre ich in meiner Praxis für Paartherapie in München von Frauen: „Mein Mann tut nie, worum ich ihn bitte. Ich muss ihn ständig daran erinnern. Ich verstehe auch nicht warum. Wie soll ich es ihm sagen, damit er es zeitnah tut?“ Solche Sätze höre ich tatsächlich so oft, dass man hier fast verallgemeinern kann: „typisch Mann“! Egal, ob es darum geht, ein Bild an der Wand aufzuhängen, die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck wieder in den Keller zu verräumen, einen Arzttermin für die Tochter zu vereinbaren oder den berühmten Müll runterzubringen: irgendwie dauert es immer (deutlich) länger als erwartet und erhofft.
Um dieses Phänomen besser zu verstehen und uns Frauen dabei zu helfen, das Verhalten unserer Männer besser einzuordnen, habe ich ein Interview mit meinem Mann geführt. Er verhält sich in dieser Hinsicht oft wie ein „typischer Mann”.
Daniel, wir hatten ja früher immer wieder Situationen, die mich total in die Verzweiflung getrieben haben. Ich habe dich um etwas gebeten, aber bis das erledigt wurde, musste ich Wochen oder gar Monate warten und dazu noch immer wieder nachfragen. Kannst du mir aus Deiner Perspektive erklären, warum es so schwer war, meinen Bitten zeitnah nachzukommen?
Na ja, zunächst gibt es die ganz normale „Faulheit“. Ich werde um etwas eher Unangenehmes oder Anstrengendes gebeten, habe keine große Lust, und dann bleibt es unerledigt. Aber darunter liegt noch ein anderer Punkt: wenn Du mich um etwas bittest, dann bilde ich im Kopf eine Beziehung zwischen der Tätigkeit und mir. Mir ist aber vielleicht das, worum Du mich bittest, nicht so wichtig, von mir aus kann es warten. Was ich erst später merke, ist, dass es eben nicht nur um mein Verhältnis zu der Tätigkeit geht, sondern eigentlich um Dein Verhältnis dazu als auch um unser Verhältnis. Erst später merke ich, dass Du es persönlich nimmst, dass es etwas mit Dir zu tun hatte.
Welche Gedanken kommen dir in den Kopf wenn ich Dich um etwas bitte, was du nicht gerne machen möchtest (jedenfalls nicht sofort) oder es für unwichtig hältst?
Vermutlich nicht viel. Wenn Du mich um etwas bittest, prüfe ich unterbewusst, ob mir das auch wichtig ist, und falls nicht, rutscht es in meiner persönlichen Todo-Liste gleich weiter nach hinten, hinter die Sachen, die mir wichtiger sind.
Oft schlussfolgern wir Frauen daraus: „Ich bin dir nicht wichtig genug, dass Du Dich um meine Bitte kümmerst“. Aber auf der Arbeit klappt es ja auch mit Aufgaben und Terminen. Stimmt diese Prioritätensetzung aus der männlicher Perspektive?
Ich glaube, dass ist genau der Punkt: ich sehe in dem Fall die Verbindung zwischen uns nicht. Du bist mir wichtig, aber ich habe nicht gelernt, dass ich das auch dadurch zum Ausdruck bringen kann und sollte, indem ich mich zeitnah um Deine Bitte kümmere. Es ist, als ob es vor dem Horizont nur die Aufgabe und mich gibt.
Wenn man den Partner um etwas bittet, und es passiert nichts, ist man oft sehr frustriert. Eigentlich formuliert man seinen Wunsch laut und deutlich (anfangs auch ohne Vorwürfe), und doch kommt es nicht an. Wie soll die Frau ihre Bitte formulieren, damit es beim Mann ankommt?
Das kann ich nicht sagen, aber vielleicht so, dass es dem Mann hilft zu verstehen, dass es um eine Beziehungsangelegenheit geht; dass es nicht einfach nur darum geht, die Angelegenheit in seine persönliche Prioritätenliste einzusortieren ohne Berücksichtigung anderer; sondern dass es etwas mit der Partnerschaft zu tun hat. Vielleicht würden Formulierungen wie „Es würde mir sehr helfen, wenn ...“ oder „es würde mich glücklich machen, wenn ...“ helfen? Eine andere Möglichkeit könnte sein, zu betonen, wie die Beziehung durch die Erledigung der Aufgabe gestärkt würde, also etwa „wenn das erledigt ist, könnten wir/hätten wir Gelegenheit zu ...“. Statt das Gefühl von Kontrolle und Fremdbestimmung zu vermitteln, eine Einladung zur Verbindung. Wie gesagt, den Teil mit der Verbindung wahrzunehmen, fällt mir – und vielleicht auch vielen anderen Männern – schwer.
Glaubst du, es gibt etwas was den Männern helfen kann, den Bitten der Frau schneller und ohne mehrmalige Erinnerung nachzugehen? Ist es die Art und Weise, wie man die Bitte formuliert oder die Wertschätzung danach, oder beides? Es ist ja bekannt, dass etwas, was gemacht werden muss aber noch nicht erledigt ist, viel Energie für denjenigen kostet, der ständig den Erinnerungskalender spielen muss (Stichwort: Mental Load)?
Ich denke, es ist wichtig, diese Tatsache vorwurfsfrei zu anzusprechen: die größtenteils unsichtbare Last desjenigen, der alle Fäden in der Hand hält und die Familie organisatorisch am Laufen hält. Es ist dieses Bewusstsein, was den Mann etwas mehr diszipliniert. Mir hat jedenfalls diese Erkenntnis, dass die ungesehene Verantwortung so schwer wiegt und Dir so viel Energie und Gesundheit raubt, die Augen geöffnet.
Insgesamt kann dieses Thema aber auch eine Möglichkeit sein, die Beziehung zu vertiefen. In einem Gespräch seine Perspektive klarzumachen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auf Seiten der Frau etwa die Erschöpfung und die Last klar zu benennen. In einer funktionierenden Partnerschaft wird eine gewisse Ignoranz gegenüber diesen alltäglichen Bitten keine böse Absicht sein, sondern vielleicht einfach ein blinder Fleck. Es kann auch für den Mann befreiend sein zu verstehen, dass er mit ein paar einfachen, zeitnah ausgeführten Handgriffen erheblich zur Entlastung seiner Partnerin und zur Stärkung der Beziehung beitragen kann.
Du hast mit der Zeit gelernt, schneller auf meine Bitten einzugehen (was ich sehr wertschätze!). Was hat dir dabei geholfen?
Es war die Erkenntnis, dass im Beziehungskreislauf aus Geben und Nehmen irgendwas nicht rund läuft. Einfach seinen Beitrag zur Familie zu leisten mit den Dingen, die ohnehin auf meiner Prioritätenliste oben standen, reicht eben nicht. Auch die Frage, die im Raum stand, ob Du mir nicht wichtig genug bist, hat produktive Verwirrung produziert: klar warst und bist Du mir wichtig, wie konnte daran ein Zweifel bestehen? Nun, den Zusammenhang zwischen Respekt des Partners und der Berücksichtigung seiner Wünsche und Aufträge musste ich erst erkennen. Da ich so ein Kopfmensch bin, hat es mir auch geholfen, das Konzept „Mental Load“ kennen zu lernen. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Begriff und die Erkenntnis, was dieses Phänomen für Dich bedeutet, hat mir ebenfalls einen starken Veränderungsimpuls gegeben.
Welche Botschaft möchtest Du den Männern mit auf den Weg geben?
Lasst den Gedanken zu, dass eure Frauen deutlich mehr in der Familie leisten als ihr. Auch wenn sie kleiner, feiner, zierlicher, „schwächer“ wirken mögen, sie tragen in aller Regel die große Last, die Familie am Laufen zu halten. Wenn dann Tätigkeiten liegen bleiben, erhöht sich die Last noch einmal, ohne, dass die Familie etwas davon hat. Lasst also diesen Gedanken zu, und dann schaut, wo ihr Last abnehmen könnt. Womöglich braucht es nicht mal, Planung abzunehmen. Womöglich reicht es schon, wenn die in der Planung als notwendig erkannten Tätigkeiten zeitnah ausgeführt werden.
Welche Botschaft möchtest du den Frauen mit auf den Weg geben?
Es ist vermutlich ein schwacher Trost, aber in aller Regel seid ihr euren Männern nicht „wurscht“. Es ist keine böse Absicht, sondern mangelndes Bewusstsein und Ignoranz. Sprecht offen über die Last, die ihr tragt, wenn möglich ohne Vorwurf, um euren Männern zur Einsicht zu verhelfen, dass es wichtig für die Partnerschaft und die Familie ist, Wünsche, Bedürfnisse und – ja, auch – Aufträge ernst zu nehmen. Ganz wichtig ist dabei, gemeinsam und auf Augenhöhe nach für Euch passenden Lösungen zu suchen. Hier geht es schließlich nicht um „die Fremdbestimmung des Mannes durch die Frau“!
Und abschließend noch fürs Protokoll: wir haben das Interview am selben Tag geführt, an dem Du mich darum gebeten hast. (grinst)
Das stimmt. Danke für das offene Interview!